Heidnische und christliche Jahresfeste – heidnische Bräuche im Christentum

Wiederkehrende Feste und Bräuche finden jedes Jahr statt. Sie strukturieren das Jahr und das Leben der Menschen. Die Wurzeln vieler, vermutlich sogar der meisten Feste, die wir auch heute noch feiern, sind uralt. Viele Feste haben ihre Bedeutung im Laufe der langen Zeit verändert und den neuen, veränderten Gegebenheiten angepasst. Heidnische Bräuche, zum Beispiel das Bemalen von Ostereiern, zeugen von einem Entwicklungs- und Anpassungsprozess, den (auch) das Christentum durchlief.

Die Feste in den vier Jahreszeiten

Folgender Überblick gilt den wiederkehrenden Jahresfesten, den heidnischen Festen und ihrer christlichen Nachfolger. Nicht alle aufgeführten Feste werden heute gefeiert. Viele davon sind Geschichte, haben aber das Feiern von Festen ganz maßgeblich beeinflusst und wirken daher immer noch bis in die heutige Zeit.

Heidnische Bräuche im Christentum - Beispiel Ostereier bemalen.
Festkalender Frühling: März bis Mai
Heidnischer und christlicher Festkalender Sommer
Festkalender Sommer: Juni bis August
heidnischer und christlicher Festkalender Herbst
Festkalender Herbst: September bis November
Heidnischer und christlicher Festkalender Winter
Festkalender Winter: Dezember bis Februar

Einige Feste und Bräuche finden jedes Jahr am gleichen Datum statt, wie zum Beispiel Weihnachten oder die Walpurgisnacht. Andere sind von dem Stand des Mondes abhängig, zum Beispiel Ostern und Pfingsten. Sie werden zum Teil auch innerhalb einer Kultur mit kleinen Abwandlungen gefeiert.

Heidnischer Ursprung der Feste

Die meisten Feste sind heidnischen Ursprungs, auch die christlichen Hauptfeste, wie Weihnachten und Ostern. Daran ist nicht wirklich etwas auszusetzen, ganz im Gegenteil. Ein Fest, das seit vielen Generationen gefeiert wird, blieb bestehen und wurde durch den christlichen Glauben lediglich umgedeutet und mit neuen Inhalten belebt.

Doch es fehlte nicht an Versuchen von seitens der Kirche, die heidnischen Feste und Bräuche zu verbieten. Das war zu einer Zeit wichtig, als das Christentum noch sehr jung war und sich vom Heidentum abgrenzen musste. Doch die bestehenden Feste waren gesellschaftlich so stark verankert, dass ein Verbot nichts brachte. Es blieb nur noch die Möglichkeit, die christliche Geschichte an die Gegebenheiten anzupassen. So wurden bestimmte heidnische Bräuche im Christentum übernommen und in seine Entstehungsgeschichte integriert.

Weihnachten – die Geburt Jesu als Lichtbringer

Sehen wir uns ein Beispiel an: Weihnachten. Der Ursprung von Weihnachten liegt im Fest der Wintersonnenwende. Schon die Alten Ägypter hatten am 21. Dezember, am Tag der Wintersonnenwende, ihre Sonnengottheiten gefeiert. Die Alten Römer feierten am 25. Dezember ihren Sonnengott Sol. Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht im Jahr. Danach geht es wieder aufwärts mit dem Licht und der Hoffnung auf einen kurzen und nicht zu harten Winter. Auch die Germanen zelebrierten ein Fest um die Wintersonnenwende, Jul oder Yule für ihren Lichtgott Baldur und seiner Wiedergeburt. Er symbolisiert die Wiedergeburt des Lichtes.

Das Christentum entschied sich, die Geburt Jesu am 25. Dezember zu feiern, obwohl Jesus mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht an diesem Datum das Licht der Welt erblickte. Man weiß nur, dass Jesus zur Welt kam, als eine Volkszählung stattfand. Volkszählungen legte man damals auf die Zeit nach der Ernte, in die Monate September oder Oktober. Vermutlich ist eines der beiden Monate der Geburtsmonat von Jesus.

Doch für den Lichtbringer passte das Datum des 25. Dezembers hervorragend. Man könnte es vielleicht als den spirituellen Geburtstag Jesu deuten. Denn tatsächlich nimmt das Licht und damit die Hoffnung nach der Wintersonnenwende wieder zu. Es könnte keinen besseren Termin für die Geburt Jesu geben, als die dunkelste Jahreszeit, die durch seine Geburt den dunkelsten Punkt überschreitet und immer lichter wird.

Ostern – ein heidnisches Fest der Fruchtbarkeit

Ursprünglich war die Zeit um Ostern der Beginn des Frühlings und damit verbunden ein Fest der Fruchtbarkeit, des Lebens und des Neubeginns. Schon im Alten Ägypten war der Hase ein Symbol der Fruchtbarkeit.

Auch die Symbolik des Eis ist uralt. Genauso wie der Hase hat das Ei als Symbol im Alten Ägypten (und Persien) seinen Ursprung. Schon damals schenkte man sich in Persien bemalte Eier unter Freunden und feierte das neue Jahr, auf dass es fruchtbar werde.

Im Alten Ägypten war das Ei ein Symbol für die Wiederauferstehung und Geburt. Deshalb fand man in den Särgen nicht nur Mumien, sondern auch umwickelte Eier. Der Sarg wurde als Eierschale gedeutet, denn aus dem Sarg entstand neues Leben. Die Symbolik passt auf Jesus, der auferstand und den Sarg quasi als seine Hülle zurückließ. Auch der menschliche Körper kann als Hülle und Schale gedeutet werden, aus welchen die unsterbliche Seele entweicht, wenn der Mensch stirbt oder eine außergewöhnliche spirituelle Erfahrung macht.

Die Ei-Symbolik ist ein wunderbares Beispiel, das zeigt, dass eine alte Symbolik von ihrer Bedeutung her immer noch gut in unsere heutige Zeit passt. Das ist unabhängig davon, welche religiöse Ausrichtung ein Mensch wählt. Heidnische Bräuche, wie etwa das Bemalen von Eiern, transportieren eine großartige Idee in das Christentum und auch in andere Religionen oder spirituelle Richtungen.

Bedeutung der Feste für das eigene Leben

Es ist also überhaupt nicht nötig, sich darüber zu streiten, ob das Weihnachtsfest oder auch Ostern schon immer ein christliches Fest war oder nicht. Es macht überhaupt keinen Unterschied. Vielmehr sollte man sich lieber darüber Gedanken machen, was man durch solch ein Fest ausdrücken will und wie man es demzufolge angemessen feiern will.

Bleiben wir beim Beispiel Weihnachten, dann gehört auch die Adventszeit dazu, die Zeit der Besinnung, eine Zeit der Ruhe und der Zurückgezogenheit. Solche Momente sollte jeder nutzen, um sich in der schnelllebigen Zeit wieder auf das Eigentliche, auf sich selbst und sein Leben rückzubesinnen.

Quellen

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