Mittsommer – Feiern wie in Schweden

Das Fest Mittsommer (auch Midsommer, schwedisch: Midsommar) ist eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Fest in Schweden. Es findet am Samstag in zeitlicher Nähe zum 24. Juni statt, wenn die Sonne kaum oder nur ganz kurz untergeht. Immer beliebter wird dieses Fest auch in Deutschland. Wer Mittsommer feiern will, sollte sich darüber informieren, wie es die Schweden feiern, denn sie sind wahre Meister darin. Schauen wir uns also an, was gefeiert wird und welche Bräuche und Traditionen sich um das Mittsommerfest ranken.

Mittsommer

Wichtig ist vorab zu wissen, dass je nach Region Mittsommer sehr unterschiedlich gefeiert wird und der Majstång (der mit Blumen geschmückte Baum bzw. Stange) nicht immer gleich aussieht.

Sommersonnenwende

Auffällig ist die Nähe des Festes zur Sommersonnenwende (21. Juni) und das ist kein Zufall. Denn gefeiert wird stellvertretend der längste Tag im Jahr. Vor allem in den skandinavischen Ländern (Norwegen, Schweden, Dänemark und im Baltikum) bleibt die Nacht hell, mindestens so hell wie in der Dämmerung, mancherorts sogar taghell. Daher wird oft durchgefeiert, denn streng genommen gibt es keine Nacht. In den genannten Ländern ist das Fest Mittsommer verbreitet und traditionell tief verwurzelt. Hier verschmolzen Mittsommer und die Sommersonnenwende zu einem Fest.

Wann wird Mittsommer gefeiert?

Weiße Nacht
In den weißen Nächten geht die Sonne nicht unter.

Mittsommer ist ein bewegliches Fest. Es wird an dem Samstag gefeiert, der dem 24. Juni am nächsten liegt. Der 24. Juni ist der Mittsommertag (Johannistag). Man nennt ihn auch deshalb Johannistag, da der 24. Juni der Geburtstag von Johannes dem Täufer ist. Dadurch wird eine Verbindung zu Weihnachten geschaffen, der Geburt Jesu am 24. Dezember. Beide Ereignisse und Hochfeste sind nämlich genau ein halbes Jahr voneinander entfernt. Das mancherorts entzündete Johannisfeuer zur Sommersonnenwende erhielt seinen Namen vom Johannistag.

Das Mittsommerfest findet frühestens am 20. Juni statt und spätestens am 26. Juni. Obwohl der Samstag der offizielle Feiertag ist, beginnt das Fest traditionell schon am Freitag, dem Mittsommerabend, und kann durchaus die ganze Nacht lang andauern.

Wo und mit wem wird Mittsommer gefeiert?

Mittsommerfeuer
Feuer an Mittsommer ist ein Versprechen an die Sonne, sie im Winter nicht zu vergessen.

Viele, wenn nicht gar die meisten, Schweden fahren aufs Land, in die Natur, um Mittsommer zu feiern. Gefeiert wird gerne innerhalb der Familie oder mit Freunden im kleinen oder auch in etwas größerem Kreis. Daher sind die Städte oft leergefegt – denn Geschäfte, auch Restaurants bleiben geschlossen.

Es wird aber auch öffentlich gefeiert, in Dörfern und Städten, auf ausgewählten Dorfplätzen und in Volksparks, wo viele Menschen mitfeiern können. Wenn man weiß, wo die Feiern öffentlich stattfinden, sollte man unbedingt mitfeiern. Schweden ist ein sehr liberales Land und Ausländern gegenüber aufgeschlossen. Daher darf man getrost davon ausgehen, dass bei diesem Fest auch Fremde stets willkommen sind.

Wichtig ist es den Schweden und auch den anderen Skandinaviern, draußen zu feiern, da es sich um ein Fest handelt, das in der Zeit der Weißen Nächte stattfindet. Das sind jene Nächte, wo die Sonne nicht untergeht. Sie strahlt auch nachts weiß am Himmel. Nur kurz schwebt sie über den Horizont, bevor sie wieder in den Himmel aufsteigt. Kein Wunder also, dass die Skandinavier dieses Ereignis gerne draußen inmitten der Natur feiern, auch nachts.

Der Mittsommerbaum – Midsommarstång

Mittsommerbaum schmücken
Mittsommerbaum in Form eines Kreuzes, mit Blumen und Bändern geschmückt.

Der Brauch, einen Mittsommerbaum zu schmücken und aufzustellen, ähnelt dem deutschen Brauch, einen Maibaum (schwedisch: majstång) zu schmücken und aufzustellen. „Maj“ bezieht sich hier aber nicht auf den Monat Mai, sondern geht auf ein Verb zurück „att maja“, was „mit Blumen schmücken“ bedeutet. Beim Mittsommerbaum handelt es sich um ein Holzkreuz, das von allen gemeinsam geschmückt wird. Dazu werden Blumen, Kränze, Laub und bunte Bänder verwendet. Gerne stellt man ihn an einem öffentlichen Ort auf, z. B. auf eine Wiese oder auf einen Dorfplatz. So können alle Festteilnehmer um den Baum herum tanzen, singen, Musik machen und spielen.

Wer im kleineren Kreis feiern will, kann den Mittsommerbaum in Miniatur herstellen. Selbst die Form lässt sich variieren. In der folgenden Abbildung sind die Enden des Kreuzes miteinander verbunden, sodass die Krone des Mittsommerbaums wie ein Dreieck aussieht.

Mittsommerbaum Dreieck
Mittsommerbaum in Form eines Dreiecks mit Kränzen.

Den Mittsommerbaum schmücken und aufstellen, sollten alle Festteilnehmer gemeinsam. Das macht sehr viel mehr Spaß und passt zu dieser sehr schönen sommerlichen Tradition. Und wenn er fertig geschmückt ist? Dann wird um den Mittsommerbaum getanzt!

In Schweden tanzt die ganze Festgemeinde um die Stange, dem Fruchtbarkeitssymbol und singt lustige Lieder. Selbst die Kleinsten kennen die Lieder und singen lauthals mit. Eines der traditionellen Tanzlieder ist „Små grodorna“ (die kleinen Frösche). Es handelt von Fröschen und ebenso wird getanzt. Man hüpft wie ein Frosch, macht Froschbewegungen und gibt Quak-Geräusche von sich.

Mittsommernacht – eine magische Nacht

Blumenwiese
Pflanzen und Blumen verfügen an Mittsommer über eine besondere magische Kraft.

Blumenschmuck spielt an Mittsommer eine wichtige Rolle. Denn den Pflanzen werden in dieser Zeit ganz besondere heilende und magische Kräfte zugeschrieben. Sie können einem sogar helfen, Kontakt zum künftigen Ehemann herzustellen.

Ein Brauch besteht darin, dass die jungen Frauen losziehen, um schweigend und konzentriert (!) jeweils 7 verschiedene Blumen zu pflücken. Am besten ist es, wenn es sich um Blumen von 7 verschiedenen Wiesen handelt. Die Blumen legen sie unter ihr Kopfkissen und träumen dann von ihrem künftigen Ehemann. Doch sie dürfen niemanden von ihm erzählen, sonst geht der Traum nicht in Erfüllung.

Obwohl es in der Mittsommernacht nie wirklich dunkel wird, werden traditionell Mittsommerfeuer entfacht. Das Feuer soll die Sonne daran erinnern und ihr versprechen, dass man sie auch nicht in der überwiegend dunklen Jahreszeit vergisst. Wer alleine über das Feuer springt, vollzieht einen Ritus der Reinigung. Springt man hingegen als Pärchen über das Feuer und hält sich an den Händen, dann wird die Verbindung dauerhaft und glücklich sein.

Wer in den frühen Stunden der Mittsommernacht barfuß im Tau spazieren geht, fördert seine Gesundheit. An Mittsommer werden gerne Blumenkränze in allen Variationen und Farben geflochten. Wer darüber hinaus also einen Blumenkranz auf seinen Kopf setzt, trägt ein mächtiges Symbol für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit.

Blumenkranz als Kopfschmuck
Blumenkranz als Kopfschmuck – mehr sommerlicher Flair ist fast nicht möglich.

Blumenschmuck, so weit das Auge reicht

Gerne werden an Mittsommer Blumensträuße gepflückt und Blumenkränze geflochten. Ein schwedischer Volksglaube besagt, dass man den Mittsommerkranz trocknen und bis Weihnachten aufbewahren soll. Dann lässt man sich zu Weihnachten ein heißes Bad einlaufen und legt diesen Kranz mit dazu. Jeder, der darin badet, wird den Winter gesund überstehen. Das ist der Magie der Blumen zu verdanken.

Mittsommer ist ein Blumenfest. Überall wird mit Blumen geschmückt – und der Blumenkranz im Haar? Ein Muss, auch für den Mann! Für das Fest eignen sich farbenprächtige, sommerliche Dekorationen. In grüne, nicht blühende Büsche passen farbenfrohe Kreppbänder hinein, die man ganz einfach um die Zweige knotet oder zu Schleifen bindet. Lichterketten in Bäumen oder um das Geländer der Veranda; Girlanden, Kerzen und Wimpelketten sorgen für ein festliches Ambiente.

Die bunten Blumenkränze zieren nicht nur das Haar, sondern auch Stuhllehnen, Tische und andere Möbel. Sie können hingelegt oder hingehängt werden, sie können aus einer Blumensorte bestehen, z. B. aus Margeriten oder aus vielen unterschiedlichen Blumen. Der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Helle sommerliche Farben und die Farbe Weiß

Blumen-Tisch-Dekoration

In Anlehnung an die weißen Nächte spielt die Farbe Weiß an Mittsommer eine wichtige Rolle. Durch den Kontrast kommt der bunte Blumenschmuck sehr gut zur Geltung. Ein weiß eingedeckter Tisch mit weißem Tischtuch, vorwiegend weißes Geschirr – höchstens zweifarbig koloriert, z. B. mit etwas Blau, Rosé oder Mint, sieht sehr sommerlich aus und entführt in eine andere, reine, heilere Welt.

Weiße Kleidung und vor allem die bunten Blumen im Haar erinnern manche vielleicht an die Zeit der Hippies, die Zeit der Blumenkinder in den 60er Jahren. Tatsächlich übernahmen die Hippies diesen Brauch aus den skandinavischen Ländern, sich mit Blumenkränzen zu schmücken, nicht umgekehrt.

Mancherorts tragen die Menschen ihre schwedische regionale Volkstracht zu Mittsommer oder sommerliche helle und luftige Kleidung. Doch festlich sind alle gekleidet.

Was wird an Mittsommer traditionell gegessen?

Traditionelles Essen zu Mittsommer
Zwischendurch ein kleines Picknick in der Natur passt hervorragend zu Mittsommer.

Wie bei den meisten anderen Festen ist auch das Essen an Mittsommer ein wichtiger Höhepunkt. In Schweden isst man zu Mittsommer traditionell die ersten geernteten jungen (manchmal in Dill gekochte) Kartoffeln (Färskpotatis), eingelegten Hering (Sil) in Sahnesoße mit frischem Dill. Doch auch der Schnittlauch im Quark bzw. im Sauerrahm passt sehr gut dazu. Zusätzlich wird traditionell gebeizter Lachs und die Fischbällchen „Köttbullar“ gereicht. Das Buffet ist oft eine Mischung aus warmen und kalten Gerichten. Auf das schwedische Buffet gehören ebenfalls Käse und Knäckebrot. In größeren Runden wird auch gerne im Garten gegrillt, zum Beispiel Rippchen. Nicht nur zu Wildfleisch reichen die Schweden gerne Preiselbeeren.

Ein traditionelles Gericht, das in Schweden auch zu Weihnachten gekocht wird, ist „Janssons frestelse„. Dabei handelt es sich um einen Auflauf mit Kartoffeln, Zwiebeln, schwedischen Anchovisfilets und Sahne.

Zum Nachtisch sind frische Erdbeeren mit Sahne sehr beliebt. Doch es darf auch eine üppige, sahnige Erdbeertorte sein. Man nennt den schwedischen klassischen Erdbeerkuchen „Jordgubbstårta„. Die Schweden sind davon überzeugt, dass ihre Erdbeeren die besten sind. Sie könnten damit tatsächlich recht haben, denn während der langen, hellen und kühlen Nächte im Frühling verbrauchen die Früchte kaum Zucker, sodass sie besonders süß schmecken.

Was wird an Mittsommer getrunken?

Neben nicht-alkoholischen Getränken trinken die Schweden gerne Öl (das ist Bier), Vin (Wein) und das beliebte Cider (Apfel-Federweißer, d. h. jungen Apfelwein). Doch sie lieben auch Hochprozentiges, wie den Snaps (Schnaps), der an Mittsommer in großen Mengen getrunken wird.

Dabei ist der Absolut Vodka ein schwedisches Produkt, ebenso der Aquavit (Kartoffelschnaps). Zu den weit verbreiteten Schnapssorten in Schweden gehört auch der Punsch, der aber nichts mit der Version zu tun hat, die es in Deutschland gibt. In Schweden besteht er aus rumähnlichen Arraks, Wasser und Zucker. Sein Alkoholgehalt beträgt zwischen 25 und 35%. Man kann ihn kalt oder warm trinken.

Doch es wird nicht einfach nur getrunken, sondern auch gesungen. Ein besonders beliebtes schwedisches Trinklied ist Helan går.

Trinklied: Helan går

Übersetzung ins Deutsche:

Der Ganze geht (runter), sing hoppfadirallanlallanlej.
Der Ganze geht (runter), sing hoppfadirallanlej.
Der, der nicht den Ganzen nimmt,
er bekommt auch nicht den Halben,
der Ganze geeeeeeeht,
*jetzt trinken*
sing hoppfadirallanlej.

„Das Ganze geht runter“ ist natürlich die Aufforderung das Schnapsglas in einem Zuge zu leeren.

Auf den Mittsommer stoßen wir an mit einem schwedischen Skål (Prost)!

Quellen

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