Kathreintanz

Kathreintanz

Der 25. November bzw. der letzte Samstag davor bezeichnet alljährlich den Tag des Kathreintanzes. Eben dieser 25. November als Gedenktag der Hl. Katharina von Alexandrien bedeutete jahrhundertelang, zumal im ländlich-katholischen Volksbrauchtum, als Beginn der bußeorientierten Adventszeit das Ende öffentlicher Tanzveranstaltungen: "Kathrein stellt den Tanz ein". Bezüglich des Martyriums der Philosophen-Schutzpatronin und Stottern-Nothelferin auf dem Rad sollten mit beginnender Vorweihnachtszeit symbolisch alle Räder der Vergnügung wie Arbeit (Spinnräder, Mühlenräder) bis zum Hl. Drei König-Tag zum Stillstand kommen. Sinnbildlich konkretisiert sollte bei Kathreintänzen sogar nicht einmal im Kreis (Grundmotiv des Rads) getanzt werden. Die Bevölkerung scherte sich freilich oft wenig um diese "Tanz-Deadline".

Kulturgeschichtlich umstritten, jedoch erwähnenswert: Das christlich umgedeutete Fortleben der mit Partnersuche für das kommende Jahr verbundenen Tanzfeierlichkeiten und Riten des hochrangigen keltischen Samhain-Festes zum kalendarischen Jahreswechsel der Kelten Anfang November eben im Kathreintanz-Fest.

TanzenBeim Kathreintanz kommt hierbei traditionell nicht nur eine einzige Tanzform zur Aufführung, sondern ganz im Gegenteil eine möglichst bunt gemischte Enzyklopädie traditionell getanzten Volksbrauchtums bzw. dorthin längst integrierter Tänze: Walzer, Boarischer, Märsche, Schottischer, Polka, Dreher, Mazurka, Zwiefacher, Italienischer - einschließlich auch zwischengeschalteter komplizierter Figurentänze wie paarweise vorgeführten Reiftänzen usw. zur Erinnerung an die kaum vergangene Erntezeit. Somit ist der Kathreintanz einzigartiges Panoptikum ehedem bäuerlicher, städtischer wie höfischer Tanzformen.

Die Tanzabfolge bietet hierbei, ohne streng geregeltes Ablaufprotokoll, einen stetigen Wechsel regionaler Tanzformen mit beliebten Rundtänzen (Polka, Walzer etc.). Beginnend mit einem feierlichen Auftanz folgen meist Tanzblocks mit traditionellen süddeutsch-alpinen Volkstänzen alternierend eingeleitet von überregionalen Klassikern des Rundtanzes. Den Abschluß bildet überwiegend ein gemeinsam gesungenes Lied volkstümlichen Charakters.

Insbesondere in den deutschsprachigen Alpenländern (vor allem Bayern, Österreich und Südtirol) sowie in Franken und Hessen sind Kathreintänze noch fester Bestandteil des Brauchtumkalenders. Heutzutage finden Kathreintänze insbesondere noch im Rahmen terminorientierter Volksmusik-Treffen bzw. Veranstaltungen lokaler und regionaler Brauchtumsgruppen wie Trachten-, Schützen- oder Heimatvereine statt.

Demnach vergegenwärtigt der Kathreintanz an der Schwelle zum Advent insgesamt eine der ältesten Formen kontinuierlich bis auf den heutigen Tag getanzt überkommenen Volksbrauchtums im deutschsprachigen Raum.
 

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